Reisen

Wer erwartet wieder mehr Touristen

Die Tourismusbranche ist ein wesentlicher Wirtschaftsmarkt, der die Haushaltskassen der Länder aufbessern soll. Da einige Staaten kaum Alternativen zum Reisemarkt haben, beispielsweise weil sie über keine Rohstoffe oder ähnliche Wirtschaftsgüter verfügen, können rückgängige Besucherzahlen gleichsam die wirtschaftliche Existenz bedrohen. Vor allem die südlichen Länder investieren daher zunehmend in attraktive Angebote oder großflächige Hotelanlagen, die viel Platz für eine große Zahl von Reisenden anbieten sollen.

Die Tourismusbranche stellt allerdings nicht nur einen der größten Wirtschaftszweige der Welt dar, sondern wird ebenso von stetigen Schwankungen bestimmt. Für die Länder hat dies den Nachteil, dass sie keineswegs mit konstanten Besucherzahlen kalkulieren können. Dementsprechend unsicher erscheint der Markt besonders in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Zunehmend verstärkt sich hingegen der Trend, dass wieder mehr Urlauber die schönsten Tage des Jahres im Ausland verbringen möchten. Vor allem Griechenland partizipiert von dem Aufwärtstrend. Seit der Krise, die das Land vor schwierige Zeiten gestellt hat, erwartet die Region nunmehr mehr Reisende als jemals zuvor, Experten sprechen insofern von einem regelrechten Boom. Dadurch sind hohe Einnahmen garantiert, die dem hoch verschuldeten Land zugute kommen sollen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Tourismusbranche in Griechenland eine Steigerung in Höhe von 21,6 % verkünden. Dies entspricht einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Insgesamt erwartet der Staat Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft in Höhe von etwa 11 Milliarden Euro. In dem Südstaat macht die Reisebranche etwa 15 % des gesamten Bruttoinlandprodukts aus. Nicht nur die Hotelketten, sondern auch die ortsansässigen Anbieter profitieren von den zunehmenden Besuchern aus aller Welt. Sowohl Restaurantbetreiber als auch Warenverkäufer erleben einen höheren Absatz und verdienen dementsprechend wieder mehr Geld.

Aber auch in Spanien werden erstmalig wieder mehr Touristen erwartet. Im Unterschied zu Griechenland werden sich die Mehreinnahmen, trotz voller Hotelanlagen und Strände, zum Leidwesen der Verantwortlichen in Grenzen halten. Dies liegt vor allem daran, dass das Land hohe Rabatte und Sonderangebote erstellt hat, um überhaupt Besucher in die Ferienregionen zu locken. Im Vergleich zum Jahr 2009 stieg die Zahl der Touristen um 4,5 %. Auf den Inseln der Balearen sind es sogar 9,2 % mehr, als noch im Vorjahr gezählt wurden. Durch die Sonderangebote wird hingegen weniger Geld in die Kassen der Hoteliers und anderer Anbieter gespült. Von dem einstigen Entwicklungstrend ist nicht mehr viel übrig geblieben. Zeitweise war das Land hinter Frankreich das zweit beliebteste Ferienziel der Welt. Nunmehr musste es seinen Platz an die USA abgeben. Dies ist besonders bitter, zumal der Tourismus ein wesentlicher Motor der inländischen Wirtschaftsstruktur ist. Ein weiteres Problem ist, dass noch mehr Hotelanlagen trotz der Wirtschaftskrise eröffnet wurden. Dies ist vor allem im Hinblick auf die Zimmerpreise bedenklich, da ein Überangebot zeitgleich auch die Preise nach unten drücken kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn um die Gunst der Kundschaft gebuhlt werden soll.

Große Konkurrenten, wie zum Beispiel Kroatien oder auch die Türkei bieten mehr Leistung zu günstigeren Preisen. Vor allem die All-Inclusive Angebote sind in den Südost-Staaten sehr beliebt. Der Vorteil liegt darin, dass ein fester Pauschalpreis geleistet und demgegenüber mit Essen und Trinken im Minutentakt belohnt wird. Dies schafft bei den Touristen ein unbeschwertes Gefühl, zumal in anderen Ländern häufig externe Restaurants zur Versorgung aufgesucht werden müssen. Insofern ist es bequemer, wenn sich die Hotelanlage selbst um das leibliche Wohl bemüht, ohne dass Urlauber die Anlage verlassen müssen. Dies wird häufig als unnötiger Stress empfunden, der gerade im Urlaub vermieden werden soll.

Dennoch hat sich die Tourismusbranche im Allgemeinen erholt. Nach der Geldkrise wurden sehr unsichere Zeiten prognostiziert, die zum Glück nicht derart eingetreten sind. Bis zur vollkommen Genesung der Branche wird es freilich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine positive Tendenz ist derweil schon heute zu erkennen, so dass vor allem die Länder, die auf die Besucher schon wirtschaftlich angewiesen sind, positiv in die Zukunft blicken werden.

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